Tiny House, Modulhaus, Wikkelhouse: Wie kann man nachhaltig wohnen?

Tiny House, Modulhaus, Wikkelhouse: Wie kann man nachhaltig wohnen?

Immer mehr Menschen informieren sich über alternative Wohnformen. Dazu zählen laut einer Studie von Livee, ein Tiny-House-Dienstleister, und dem Tiny House Verband auch ein großer Teil der deutschen Singlehaushalte, die bis zum Jahr 2022 ein Haus bauen wollen. 13 Prozent dieser Umfrageteilnehmer könnten sich das Leben in einem Tiny House vorstellen. Vielleicht zählen Sie auch zu diesen Tiny-House-Begeisterten? 

Laut der Studie wird das Interesse an dieser Wohnform auch weiterhin wachsen: Das Marktpotenzial dieser kleinen Häuser liegt bis zum Jahr 2022 bei etwa 3,9 Milliarden Euro. Ein Grund mehr, sich mit dem Thema Tiny House zu beschäftigen. 

Denn Tiny House ist nicht gleich Tiny House. Mittlerweile gibt es unterschiedliche Modelle für angehende Immobilienbesitzer: Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, Flexibilität und Mobilität sind möglich. Wir stellen Ihnen in diesem Beitrag einfache und besonders nachhaltige Häuser vor. 

Tiny House: Kleiner Wohnraum und kleiner ökologischer Fußabdruck 

Die Tiny-House-Bewegung, die in den USA begann, ist bereits in Deutschland angekommen. Für viele junge Menschen sind Tiny Houses nicht nur ein Trend, sondern eine Option, wenn es um die zukünftigen eigenen vier Wände geht. Ein Tiny House findet bereits auf 200 m2 Platz. Die Fläche kann gepachtet oder gemietet werden – der Kauf ist kein Muss. 

Sie interessieren sich ebenfalls für ein Tiny House? Dann können Sie sich zwischen einem kleinen Haus auf Rädern, einem Modulhaus oder einem Mini- oder Mikrohaus entscheiden. Diese Tiny-House-Modelle unterscheiden sich in ihrer Größe: Ein Haus auf Rädern ist etwa 25 m2, ein Modulhaus zwischen 15 m2 und 100 m2, ein Minihaus bis zu 100 m2 groß. 

Der Vorteil von Modul- und Minihäusern: Sie sind gut gedämmt. Dafür sind sie weniger mobil als ein Tiny House auf Rädern. 

Tiny House: Vor- und Nachteile 

Diese kleinen Häuser haben einige Vorteile, aber auch einige Nachteile. Wer sich viel Platz und Raum in seiner Traumwohnung oder in seinem Traumhaus wünscht, sollte nach weiteren Wohnungs- und Hausoptionen suchen. 

Vorteile: 

  • Je nach Modell ermöglicht ein Tiny House mehr Mobilität und Flexibilität.
  • Sie müssen weniger Zeit in den Haushalt und in die Wartung des Hauses stecken.
  • Die Unterhaltungskosten fallen im Vergleich zu anderen Wohnungs- und Haustypen günstiger aus. 
  • Auch bei den Kosten für den Bau und das Grundstück können Sie bei einem Tiny House mit weniger rechnen. 
  • Im Gegensatz zu anderen Häusern und Wohnungen ist der ökologische Fußabdruck deutlich kleiner. In der Regel werden für den Bau des Tiny Houses recycelte Materialien genutzt. Wird beim Bau auf eine gute Isolierung und Dämmung geachtet, ist die Temperaturregulierung mit wenig Energieaufwand möglich. Aufgrund der kleinen Räumlichkeiten, über die ein Tiny House verfügt, kommt eine Heizung oder Klimaanlage nicht allzu oft zum Einsatz. Durch all diese Aspekte wird nicht nur die Energienutzung, sondern auch die Energiekosten reduziert. 

Nachteile: 

  • Für ein Tiny House benötigen Sie eine Reihe von Genehmigungen – im Fall der mobilen Variante zusätzlich einen für den Stellplatz. Die Verfahren für die notwendigen Unterlagen sind oft zeitintensiv. Neben einer Baugenehmigung benötigen Sie ein Grundstück, das Ihnen dauerhaftes Wohnen erlaubt. Bebauungspläne und Regeln zur Ortsgestaltung stellen weitere Hürden da, denn diese bestimmen, wie ein Haus auszusehen hat. Viele Tiny Houses fügen sich nicht harmonisch in eine Nachbarschaft ein – es sei denn, es handelt sich dabei um eine Tiny House Siedlung. 
  • Bei Ihrem Vorhaben, ein Tiny House zu bauen, müssen Sie wie beim (normalen) Hausbau die Bauordnung und den Bebauungsplan berücksichtigen. 
  • Aufgrund des kleinen Wohnraums sind Tiny Houses nur bedingt familientauglich. 

Sie wollen nachhaltig, platzsparend und möglichst flexibel leben? Dann fällt Ihre Immobilienwahl höchst wahrscheinlich auf ein Tiny House. 

Rechtliche Aspekte, die bei Tiny Houses zu beachten sind.

Es gibt viele Theorien zu der Frage, was in Sachen Tiny House rechtlich in Deutschland erlaubt ist. Klare Aussagen gibt es allerdings auch nicht. Wenn Sie sich für das dauerhafte Wohnen in einem mobilen Haus interessieren, sollten Sie dieses Bauvorhaben mit Experten vom TÜV besprechen. Fragen zu Baugenehmigungen und Platzmöglichkeiten kann Ihnen auch Ihre Gemeindeverwaltung beantworten. Weitere Informationen rund um Baurecht und Baugenehmigungen finden Sie mit ein wenig Recherche im World Wide Web. 

Modulhaus: Kurze Bauzeit und günstiger Preis 

Mit Modulen zu bauen, kennen Sie vielleicht von Bürogebäuden oder von Gewerbeimmobilien. Doch der Modulbau wird mittlerweile auch für Wohnungen und Häuser genutzt. Dabei handelt es sich um eine Wohneinheit, die seriell gefertigt, angeliefert und nur noch aufgestellt wird. 

Ein Modulhaus besteht aus verschiedenen vorgefertigten Modulen. Solch ein Modul hat nicht nur eine Decke und Wände. Oft werden diese Einheiten auch mit Bodenbelägen, Fenstern, Installationen und Türen geliefert und vor Ort miteinander verbunden, angeschlossen und im Boden verankert. 

Ihnen kommt diese Vorgehensweise bekannt vor? Der Containerbau verläuft ähnlich. Unterschiede gibt es vor allem bei den Materialien: Häuser aus Containern bestehen hauptsächlich aus Metall und Stahl. Modulhäuser sind in der Regel aus Holz. 

Modulhaus: Vor- und Nachteile 

Diese Häuser erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die zahlreichen Vorteile zeigen, was den Reiz von Modulhäusern für viele Immobilienbesitzer ausmacht. 

Vorteile: 

  • Der Rohbau eines Modulhauses kann bereits nach 24 Stunden stehen. Die Bauzeit ist damit sehr kurz. 
  • Die Leistungen, die für die Fertigstellung eines Modulhauses, erbracht werden, kommen hier aus einer Hand. Das erspart Ihnen die Koordination mit mehreren Gewerken und Sie wissen, wann Ihr Haus fertig ist. Das macht die Hausplanung sicher. 
  • Ein Modulhaus kann kostengünstiger als ein Fertig- oder Massivhaus sein. Produktions- und Transportkosten liegen bei den zuvor genannten Hausarten höher. 
  • Sie wollen Ihr Haus umbauen oder planen einen Anbau? Mit einem Modulhaus ist das kein Problem, da diese Immobilie sehr leicht und flexibel an die eigene Lebenssituation immer wieder angepasst werden kann. 

Sie ziehen es in Betracht, ein Modulhaus zu bauen? Dann sollten Sie sich auch mit den Nachteilen auseinandersetzen, die diese Bauweise mit sich bringt.

Nachteile:

  • Die Strecke, die das Modulhaus bis zu Ihrem Wohnort zurücklegen muss, kann die Transportkosten in die Höhe treiben. Sie kommen nicht nur für das Transportfahrzeug, sondern auch für eine Sondergenehmigung für den Transport auf.
  • Ein Modulhaus hat weder einen Keller noch einen Dachboden. Damit haben Sie weniger Stauraum, als in einem herkömmlichen Haus oft üblich ist. 
  • Gestaltungsmöglichkeiten gibt es bei der Form der Moduleinheiten nicht – schließlich müssen die Einheiten beim Transport durch Tunnel und unter Brücken passen.

Wenn Sie sich möglichst viel Flexibilität wünschen und Ihr Haus bei Bedarf aus- oder umbauen wollen, liegen Sie mit einem Modulhaus richtig.

Was kostet ein Tiny House?

Im Vergleich zu einem klassischen Haus ist ein Tiny House kostengünstiger. Wie viel Sie für ein Tiny House ausgeben, hängt von einigen Faktoren ab. Wollen Sie beim Bau des kleinen Hauses mit anpacken? Dann zahlen Sie für einen Rohbau weniger als für die schlüsselfertige Variante. Wird das Tiny House nach Ihren individuellen Wünschen gebaut? Oder haben Sie sich für ein Serienmodell entschieden? Beim individuellen Tiny House müssen Sie gegenüber dem Serienmodell mit höheren Kosten rechnen. Auch die Größe der Wohnfläche und die technische Ausstattung beeinflussen den Preis.

Mit einem Fertigbausatz können Sie sich den Traum von einem Tiny House selbst erfüllen – hier bauen Sie das kleine Haus selbst zusammen. Preislich liegt solch ein Bausatz zwischen 25.000 Euro und 35.000 Euro.  

Bei einem sogenannten Ausbauhaus übernehmen Sie nur den Innenausbau selbst – der Rest wird vom Hersteller geliefert. Für das Ausbauhaus sollten Sie zwischen 35.000 Euro und 45.000 Euro rechnen. Hinzu kommen weitere Kosten für die Ausstattung – rechnen Sie mit 20.000 Euro aufwärts. 

Sie wünschen sich ein schlüsselfertiges Tiny House? Kleine Häuser, die bereits bezugsfertig sind, können zwischen 50.000 Euro und 150.000 Euro kosten. Beeinflusst wird der Preis durch die Wohnfläche und die Ausstattung.

Wikkelhouse: Das besonders nachhaltige Tiny House aus Wellpappe 

Ein Haus, das komplett recyclebar ist? Tiny Houses sind aufgrund ihrer Größe und ihres ökologischen Fußabdrucks nachhaltig. Das „Wikkelhouse“ ist sogar noch nachhaltiger, denn es besteht zum Großteil aus Wellpappe. 

Die Erfindung stammt von Fiction Factory, ein niederländisches Unternehmen aus Amsterdam: Bis zu 24 Schichten Wellpappe werden um eine Form gewickelt und mit einem Kleber, der umweltfreundlich ist, befestigt. Die Pappe für das „Wikkelhouse“ bezieht das Unternehmen aus nachhaltiger Forstwirtschaft. 

Die einzelnen fertiggewickelten Module können zu einem Haus mit beliebiger Größe zusammengefügt werden. Die Struktur und Beschaffenheit des „Wikkelhouses“ sorgt für eine besonders effiziente Isolation und Festigkeit. Der Innenraum des Hauses ist mit Holz verkleidet. Ein Modul wiegt etwa 500 Kilogramm. Damit sind die Module so leicht, dass das „Wikkelhouse“ ohne Fundament auskommen kann. 

Nicht nur das „Wikkelhouse“ wurde vom Unternehmen möglichst nachhaltig gestaltet. Der ganze Lebenszyklus eines solchen Hauses ist so gestaltet: Die Module werden aus nachhaltigen Materialien gefertigt und lassen sich entsprechend wiederverwenden. Einzelne Bauteile sind abnehm- und recyclebar. 

Die Vorteile, die das „Wikkelhouse“ bietet, sind schnell zusammengefasst.

Vorteile:

  • Das kleine Haus kann schnell und leicht aufgebaut werden.
  • Das „Wikkelhouse“ ist ein besonders nachhaltiges Tiny House.
  • Laut dem Hersteller soll die Haltbarkeit des Hauses bei mehr als 50 Jahren liegen.
  • Das Haus kann von Ihnen individuell zusammengestellt und ausgebaut werden – die unterschiedlichen Module machen es möglich. 

Einige Haken, die Sie kennen sollten, hat das „Wikkelhouse“ dennoch:

Nachteile:

  • Das „Wikkelhouse“ kann derzeit nur in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und im Vereinigten Königreich errichtet werden.
  • Fiction Factory baut pro Jahr zwölf Häuser. Sie müssen sich also etwas gedulden, wenn Sie sich den Traum vom „Wikkelhouse“ erfüllen wollen. 

Wikkelhouse: Mit welchen Kosten müssen Sie rechnen? 

Der Preis eines „Wikkelhouses“ hängt davon ab, wie viele Module Sie nutzen und für welche Ausstattung Sie sich entscheiden wollen. Ein „Wikkelhouse“, das aus drei Modulen besteht, kostet etwa 40.000 Euro ohne Steuern, Transport- und Platzierungskosten. Laut Fiction Factory liegt der Preis für die meisten Häuser zwischen 50.000 Euro und 90.000 Euro. 

Wollen Sie sich den Traum vom Tiny House erfüllen? 

Mittlerweile können Sie zwischen vielen unterschiedlichen Tiny-House-Modellen wählen: Wer besonders Flexibilität schätzt, wählt das Tiny House auf Rädern. Menschen, die besonders nachhaltig wohnen wollen, entscheiden sich für ein „Wikkelhouse“. 

Wenn Ihnen das Wohnen auf kleinem Raum nichts ausmacht und Sie möglichst preiswert leben wollen, könnte ein Tiny House für Sie die perfekte Wohnlösung sein. Aber auch diejenigen, die sich für eine andere Bauweise entscheiden, haben einige Optionen, zwischen denen sie wählen können – dazu zählen beispielsweise das Fertighaus oder der Massivbau.