Zweitwohnsitz: Was muss ich beachten?

Zweitwohnsitz: Was muss ich beachten?

Wer träumt nicht von einer Ferienwohnung an der See oder einem Rückzugsort, der neue Perspektiven bringt? Oder gehören Sie zu den Angestellten, die aufgrund Ihrer Arbeit zwischen zwei verschiedenen Wohnungen pendeln? Für viele Menschen bietet ein Zweitwohnsitz viele Vorteile. Wer sich auf die Suche nach einem zusätzlichen Wohnsitz macht, stellt schnell fest, dass es komplizierter ist, als vielleicht gedacht. Hier muss man nicht nur an die doppelte Miete denken, sondern auch die Zweitwohnungssteuer berücksichtigen.

Was muss bei einer doppelten Haushaltsführung berücksichtigt werden? Wie wird die Zweitwohnungssteuer berechnet? Und wie meldet man seinen Zweitwohnsitz richtig an? In diesem Beitrag beantworten wir diese und andere Fragen rund um den zweiten Wohnsitz.

Diese Unterschiede zwischen Hauptwohnsitz und Zweitwohnsitz sollte ich kennen

Laut § 22 BMG (Bundesmeldegesetz) ist die Wohnung, die vorwiegend bewohnt wird, der Hauptwohnsitz.

Der Ort, an dem Sie in der Wahlliste stehen und Ihr Wahlrecht ausüben können, ist übrigens auch Ihr Hauptwohnsitz. Der Nebenwohnsitz ist also die Wohnung, in der Sie die wenigste Zeit verbringen.

Ab wann ist meine Wohnung mein Hauptwohnsitz?

Zeit ist nicht immer der entscheidende Faktor, mit der bestimmt wird, welche Wohnung Haupt- oder Nebenwohnsitz ist. Es gibt zwei Sonderfälle, die bei der Bestimmung eine Rolle spielen können:

  • Bei Ehepartnern gilt der Ort, an dem der Großteil des Lebens stattfindet und die wichtigsten Beziehungen verortet sind, als Hauptwohnsitz. Hier spielt es keine Rolle, ob Sie längere Zeiträume in Ihrer zweiten Wohnung verbringen. Der Ort, an dem auch Ihr eingetragener Lebenspartner oder Ehepartner lebt, wird vom Gesetzgeber als Hauptwohnsitz betrachtet.
  • Beim berufsbedingten Zweitwohnsitz spielen Ihre persönlichen Lebensinteressen eine Rolle. Bekannte, Familie und Freunde stellen in den Augen des Gesetzgebers eine wichtige Verbindung zu dem Ort, von dem Sie kommen, dar. So bleibt der Erstwohnsitz bei der Familie auch dann der Hauptwohnsitz, wenn Sie längere Zeit bei einem Zweitwohnsitz verbringen.

Welche Wohnarten gelten überhaupt als Zweitwohnung?

Was als Wohnung definiert werden kann, entscheidet jede Gemeinde und Stadt selbst. Die Kommune hat den Begriff unzureichend oder gar nicht definiert? Dann schauen Sie sich die Bauordnung an, die im jeweiligen Bundesland gilt. Laut dieser muss eine Wohnung mindestens

  • eine Küche oder eine Kochnische,
  • ein Bad oder eine /Dusche
  • und eine Toilette besitzen.

Die Gemeinde bezieht sich in ihrer Satzung auf das Melderecht? Dann ist jeder umschlossene Raum eine Wohnung. Dieser muss zum Wohnen und Schlafen benutzt werden. Auch eine Gartenlaube kann in diesem Fall ein Zweitwohnsitz sein.

Informieren Sie sich also vorab, um herauszufinden, auf welcher Grundlage Ihr zweiter Wohnsitz am jeweiligen Ort als solcher definiert ist. Ansonsten können Sie sich auch an die zuständige Behörde wenden.

Was muss ich bei der Anmeldung meiner Zweitwohnung beachten?

Laut § 21 BMG haben Sie nach dem Einzug 14 Tage Zeit Ihre Haupt- und/oder Nebenwohnung zu melden. Denn in Deutschland gilt für beide Wohnsitze die sogenannte Meldepflicht – auch für Ferienimmobilien. Für die Anmeldung ist entweder das Einwohnermeldeamt oder das sogenannte Bürgerbüro der Gemeinde oder Stadt, in der sich Ihre Nebenwohnung befindet, verantwortlich. Die Frist von 14 Tagen haben Sie überzogen? Es ist möglich, dass Sie ein kleines Bußgeld zahlen müssen.

Es schadet aber nicht, bei der Stadt oder der Gemeinde nachzufragen, in welcher Höhe das Bußgeld zu begleichen ist. Vielleicht wurde es aufgrund der häufig überlasteter Ämter noch nicht verhängt. Weitere Details und Informationen finden Sie auf dem Webauftritt der jeweiligen Stadt oder Gemeinde.

Wann ist eine Anmeldung notwendig und wann nicht?

Grundsätzlich besteht in Deutschland die Meldepflicht. Im § 27 BMG sind allerdings eine Reihe von Ausnahmen festgeschrieben. Sie wohnen weniger als sechs Monate in der Wohnung? Dann müssen Sie die Zweitwohnung weder an- noch abmelden. Doch was passiert, wenn Sie doch länger als ein halbes Jahr in der Wohnung verweilen? Nach Ablauf der sechs Monate sollten Sie dann innerhalb von 14 Tagen die Anmeldung vornehmen. Ansonsten können Bußgelder fällig werden.

Sie verbringen Ihre Zeit in einer Gemeinschaftsunterkunft? Dann ist keine Anmeldung notwendig. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie eine Unterkunft bewohnen,

  • um Ihren Bundesfreiwilligendienst, Wehrdienst oder Zivildienst zu vollziehen,
  • eine Dienstleistung erbringen (laut dem vierten Abschnitts des Soldatengesetzes),
  • als Berufssoldat oder Soldat tätig sind,
  • Vollzugsdienst bei der Polizei leisten
  • oder als Mitarbeiter im öffentlichen Dienst an Lehrgängen oder Fachstudien teilnehmen.

Anmeldung der Zweitwohnung: Was kostet diese?

Die Anmeldung einer zweiten Wohnung ist häufig kostenlos. Selten wird eine Anmeldegebühr erhoben. Die Höhe der Gebühr sprengt aber keinen Rahmen, denn diese liegt bei etwa 10 Euro. Ansonsten müssen Sie mit keinen weiteren Kosten rechnen.

Was benötige ich für die Anmeldung?

Wenn Sie sich beim Einwohnermeldeamt oder Bürgerbüro anmelden, ist es sinnvoll, dass dafür benötigte Formular vor dem Anmeldetermin auszufüllen. Das Anmeldeformular finden Sie auf dem Webauftritt der jeweiligen Behörde und können es dort auch herunterladen. Ihren Personalausweis und eine zuvor ausgefüllte Wohnungsgeberbestätigung sollten Sie auch mitbringen. Bei letzteres handelt es sich um ein Dokument, mit dem Ihr Vermieter bestätigt, dass er Ihnen die Wohnung zum Wohnen überlassen hat.

Was gehört noch in eine Wohnungsgeberbestätigung? Notwendige Angaben sind in § 19 BMG festgehalten:

  • Name des Eigentümers – aber nur, wenn der Eigentümer nicht der Wohnungsgeber ist,
  • das Datum, an dem Sie eingezogen sind,
  • die Anschrift der Wohnung sowie der Name der Person, die gemeldet werden soll,
  • und Name und Anschrift vom Wohnungsgeber,

Wohnungsgeberbestätigung: Wer muss diese ausfüllen?

Nicht immer muss der Vermieter diese Bestätigung anfertigen. Sie sind Eigentümer der Zweitwohnung? Dann müssen Sie das Dokument für sich selbst ausfüllen.

Wenn Sie in eine Wohngemeinschaft ziehen, muss der Hauptmieter – der in diesem Fall zum Vermieter wird – die Bestätigung unterzeichnen. Sie ziehen zu Ihren Eltern? Dann sind diese auch Wohnungsgeber.

Was passiert, wenn ich die Anmeldung meines Zweitwohnsitzes nicht vornehme?

Ihnen droht ein Bußgeld, wenn Sie sich innerhalb der Anmeldungsfrist, die 14 Tage beträgt, nicht melden. Je nach Länge der Überschreitung können sich die Beträge bis zu 1000 Euro belaufen. Wie bereits erwähnt sind die meisten Ämter überlastet. Es kann also vorkommen, dass darüber hinweg gesehen wird.

Allerdings sollten Sie mit dem Antrag nicht zu spät dran sein. Ihnen kann Steuerhinterziehung vorgeworfen werden, wenn Sie Ihren zweiten Wohnsitz über einen langen Zeitraum bewusst nicht gemeldet haben.

Welche finanziellen Aspekte muss ich beim Zweitwohnsitz beachten?

Hierbei kommt es immer darauf an, wo Sie Ihre zweite Wohnung haben. Von Stadt zu Stadt ist es unterschiedlich, ob Sie eine Zweitwohnungssteuer zahlen müssen oder nicht. Städte bevorzugen es, wenn Sie Ihren Hauptwohnsitz bei ihnen anmelden. Denn eine Stadt erhält dann einen Zuschuss, der aus dem kommunalen Finanzausgleich kommt.

Mit einem Zweitwohnsitz nutzen Sie aber auch öffentliche Wege und Einrichtungen. Aus diesem Grund erheben viele Städte auch eine Zweitwohnungssteuer. Informieren Sie sich am besten vorab bei der jeweiligen Stadt, ob Sie diese Steuer zahlen müssen oder nicht.

Zweitwohnungssteuer: Wie viel kostet mich diese Steuer?

Jede Kommune kann selbst bestimmen, wie hoch diese Steuer ausfällt. Per Gesetz ist die Zweitwohnungssteuer nicht festgelegt. Doch es gibt eine Berechnungsgrundlage, die von allen genutzt wird: die Jahresnettokaltmiete. Der von der Kommune festgesetzte Steuersatz wird auf diese angewandt. Durchschnittlich liegt die Steuer bundesweit bei 10 Prozent.

Ab wann bin ich von der Steuer befreit?

Es gibt eine Reihe von Ausnahmen, mit denen Betroffene von der Zweitwohnungssteuer befreit sind. Dazu zählen:

  • Jugendliche, die das sechzehnte Lebensjahr noch nicht überschritten haben.
  • Ehepartner und Lebenspartner (diese müssen eingetragen sein), die aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung beanspruchen müssen und deren eigentlicher Wohnsitz sich in einer anderen Kommune befindet.
  • Wohnungen, die zu Alten- oder Pflegeheimen zählen.
  • Wohnungen, die Straftätern gehört und in einer Justizvollzugsanstalt sitzen.
  • Wohnungen, die von öffentlichen oder gemeinnützigen Trägern bereitgestellt werden.
  • Unterkünfte, die für Soldaten oder Polizeivollzugsbeamten vorgesehen sind.
  • Menschen, die im Jahr unter 25.000 Euro verdienen und in Bayern leben.

Müssen Studenten Zweitwohnungssteuer zahlen?

Eine Zweitwohnung ist bei Studenten gar nicht so unüblich. Doch von der Steuer ist man damit nicht befreit. Einzige Lösung: Der Student meldet seinen bisherigen Wohnsitz ab und meldet die Studentenwohnung als Hauptwohnung an.

Doppelte Haushaltsführung: Wann wird diese anerkannt?

Die doppelte Haushaltsführung wurde vom Gesetzgeber eingeführt, um Menschen zu entlasten, die aus beruflichen Gründen eine Zeitwohnung benötigen. Diese Kosten können als Werbungskosten beim Finanzamt angegeben werden.

Damit eine doppelte Hausführung anerkannt wird, müssen vier Punkte erfüllt werden:

  1. Bei der Zweitwohnung handelt es sich um eine Wohnung, die im Rahmen beruflicher Tätigkeiten genutzt wird.
  2. Diese Wohnung liegt in der Nähe des Arbeitsortes – Sie erreichen die Arbeitsstelle schneller mit der zweiten Wohnung als vom Hauptwohnsitz aus.
  3. Die Hauptwohnung liegt außerhalb des Ortes, an dem sich der Zweitwohnsitz befindet.
  4. Auch weiterhin bildet Ihr Hauptwohnsitz Ihren Lebensmittelpunkt.

Sie erfüllen alle genannten Punkte? Dann erkennt Ihnen das Finanzamt auch die doppelte Haushaltsführung an. Steuerlich können Sie Kosten der Zweitwohnung für Fahrtkosten, Umzugskosten und Zusatzkosten, die in den ersten drei Monaten beispielsweise für Lebensmittel oder andere Dinge, die als Verpflegung zählen, angefallen sind, als sogenannte Werbungskosten absetzen.

Die Voraussetzung für all dies ist allerdings, dass Sie diese Kosten nicht von Ihrem Arbeitgeber steuerfrei zurückbekommen. Maximal 1000 Euro können pro Monat abgesetzt werden – etwa 12000 Euro im Jahr.

Ein Zweitwohnsitz kann unter Umständen für mich kostspielig werden

Eine Zweitwohnung ist für viele Berufstätige ein Muss, andere Menschen erfüllen sich damit einen Traum. Über einen zweiten Wohnsitz zu verfügen bedeutet aber auch zusätzliche Kosten: Es kann eine doppelte Miete anfallen. Hinzu kommen Betriebskosten für Haupt- und Zweitwohnung und unter Umständen eine Zweitwohnsitzsteuer – die Höhe abhängig von Stadt und Gemeinde.

Wenn Sie sich dieser Kosten bewusst sind, über ausreichend finanzielle Möglichkeiten verfügen und sich bei der jeweiligen Stadt oder Gemeinde bezüglich der Zweitwohnsitzsteuer schlau gemacht haben, steht dem Erwerb einer Zweitwohnung nichts mehr im Weg.

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