Baufinanzierung in Krisenzeiten: Was ich jetzt wissen muss

baufinanzierung-in-krisenzeiten-was-ich-jetzt-wissen-muss

Aufgrund der derzeitigen Krise kam das öffentliche Leben zum Stillstand. Zwar sind aktuell langfristige Auswirkungen nicht absehbar, aber für viele Arbeitnehmer und Selbstständige sind Konsequenzen schon jetzt spürbar.

Alle Menschen, die derzeit eine Baufinanzierung laufen haben, machen sich Gedanken um die Zukunft ihrer Finanzierung. Mögliche Lohnausfälle müssen nicht das Aus für den Traum von den eigenen vier Wänden bedeuten. Worauf derzeit insbesondere bei der Baufinanzierung zu achten ist und was Sie jetzt tun können, zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag.

Warum können sich Kaufabschlüsse bei Immobilien in nächster Zeit verzögern?

Wenn Sie jetzt Ihre Kaufentscheidung hinauszögern, verhalten Sie sich so, wie viele andere Immobilienkäufer in der derzeitigen Situation. Es ist nicht auszuschließen, dass das Geld für andere Dinge benötigt wird. Dieses Hinauszögern bedeutet aber auch, dass sich Kaufabschlüsse noch weiter verschieben können: Zwischen Vorvertrag und dem eigentlichen Vertragsabschluss liegen beim Immobilienkauf mindestens zwei Wochen.

Potenzielle Käufer, die sich derzeit in dieser Phase befinden, entscheiden sich vielleicht gegen einen Kauf. Noch bleibt aber abzuwarten, ob durch diese Entwicklung mehr Objekte auf den Immobilienmarkt kommen und daraus tatsächlich eine Deflationsspirale resultiert.

Auch für Eigentümer und Verkäufer hat sich die Situation verändert: Sie gehen behutsamer vor. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass ihre Immobilie aktuell nicht den Wert erzielt wie ursprünglich erwartet.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf den Immobilienmarkt?

Die Auswirkungen der Krise spüren Menschen derzeit vor allem in ihrem Alltag. Drohende Arbeitslosigkeit und andere Umstände machen vielen bei der Lebensplanung derzeit einen Strich durch die Rechnung – nicht nur, was die Finanzierung eines Eigenheims angeht.

Die derzeitig herrschende Irritation an den Finanzmärkten lässt sich auch gut an der Wertentwicklung der zehnjährigen Bundesanleihe erkennen. Deren Rendite fiel zwischenzeitlich auf einen Tiefstand von minus 0,86 Prozent. Daran orientieren sich dann wiederum die Bauzinsen. Diese schwanken besonders stark: Als sich Anfang März die globalen Folgen der COVID19-Pandemie abzuzeichnen begannen, gab das Zinsniveau nach. Im April pendelten Sie sich die Bauzinsen aber schon wieder auf dem Vorkrisenniveau ein.

Im Großen und Ganzen kann noch nicht abgeschätzt werden, wie sich die Krise tatsächlich auf den Immobilienmarkt und die Immobilienpreise auswirken wird. Nicht nur die Finanzmärkte, auch die Finanzinstitute sind bereits von der Krise betroffen. Anträge können sie nicht in der gewohnten Masse bearbeiten. Dies nehmen manche Banken zum Anlass, die Zinsen zu erhöhen. Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Banken sich dieser Verfahrensweise anschließen wird. Für Sie als Endverbraucher bedeutet dies möglicherweise eine Zinssteigerung, auch wenn das Zinsumfeld stabil bleibt.

Da sich die Lage aber ständig ändert und diese von Experten laufend neu eingeschätzt wird, ist es noch nicht absehbar, wie sich der Immobilien- und Finanzmarkt in naher Zukunft tatsächlich entwickeln wird.

Es ist möglich, dass der Einfluss der Krise nur temporär zu spüren sein wird. Die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage wird auch nach der Krise weiterhin bestehen bleiben. Beim Hausbau gilt unabhängig von Krisenzeiten, dass Sie Ihre Baufinanzierung gründlich planen sollten.

Was kann ich für meine Baufinanzierung bei Verdienstausfällen tun?

Banken wissen, dass Menschen jetzt auch in schwierige Situationen geraten können. Für Ihre Baufinanzierung haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Mit einem Tilgungssatzwechsel die Tilgungshöhe verändern: Sie haben im Baufinanzierungsvertrag einen Tilgungssatzwechsel vereinbart? Dann können Sie die Tilgungshöhe abwandeln und damit an ihre derzeitige finanzielle Lage anpassen. So verlängern Sie allerdings die Zeit bis zur Abzahlung Ihres Darlehens. Um dem entgegenzuwirken, sollten Sie nach Beendigung der Krise die Tilgung wieder erhöhen.
  • Mit einer Tilgungsaussetzung die Rückzahlung aussetzen: Damit wird die Rückzahlung des Darlehens für eine bestimmte Dauer angehalten. Sie zahlen während dieser Zeit nicht die ganze im Monat fällige Rate, sondern nur den Zinsanteil. Derzeit besteht die Chance, dass die Tilgung unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne eine vertragliche Vereinbarung ausgesetzt werden kann.
  • Mit einer Stundung Zahlungen aussetzen: Sie können so die Zahlungen von Monatsraten, die zwischen April und Juni anfallen, aussetzen. Die so gestundeten Raten werden dann an die Laufzeit angehängt. Auf diese Art und Weise zahlen Sie länger ab. Achtung: Es gibt Banken, bei denen Sie diesen Verzug nach dem Fristablauf zu den regulären, monatlichen Raten zusätzlich ausgleichen müssen.
  • Aufnahme eines günstigen Ratenkredits: Um einen kurzfristigen finanziellen Engpass zu überstehen, ist es möglich, einen günstigen Ratenkredit abzuschließen. Mit diesem können Sie dann fällige Raten bei der Baufinanzierung ausgleichen.

Die hier genannten Möglichkeiten sind von Bank zu Bank unterschiedlich geregelt. Einige Finanzinstitute sind während dieser Krise vielleicht kulanter als andere. Außerdem sollten Sie daran denken, dass von Einzelfall zu Einzelfall entschieden wird.

Setzen Sie sich also schnellstmöglich mit Ihrem Berater in Verbindung, wenn Sie demnächst mit Kurzarbeit oder finanziellen Engpässen konfrontiert werden. Gemeinsam können Sie über weitere Optionen nachdenken und entscheiden, welche Möglichkeit in Ihrem Fall die sinnvollste ist.

Probleme mit Krediten: Erhalte ich Hilfe vom Staat?

Am 22. März legte die Regierung den Gesetzesentwurf “Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie” vor. Dieser Entwurf sieht auch eine gesetzliche Stundung für Verbraucherdarlehen vor, die zwischen Anfang April und Ende Juni fällig werden.  

Dem Art. 240 EGBGB wird einer neuer § 3 hinzugefügt: Zwischen dem 01. April und 30. Juni werden fällige Darlehensanforderungen mithilfe des Gesetzes für drei Monate gestundet. Voraussetzung hierfür:

  • Der Vertrag für das Darlehen wurde von dem 15. März 2020 geschlossen.
  • Der Verbraucher hat aufgrund der Krise außergewöhnliche Einnahmeausfälle, die ihn daran hindern, die geschuldete Leistung zu bezahlen. Den Vertragsparteien ist es möglich, eine abweichende Vertragslösung zu finden und miteinander zu vereinbaren.

Die Stundungsfrist soll es dem Verbraucher laut der Regierung möglich machen, gesetzliche Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen und Unterstützungsmaßnahmen zu beantragen. Während des genannten Zeitraums ist der Verbraucher auch vor einer Kündigung des Darlehens wegen des krisenbedingten Zahlungsverzugs geschützt. Diese Regelung betrifft wiederum Darlehensansprüche, die im zwischen April und Juni 2020 fällig werden.

Im Anschluss müssen die Beteiligten über weitere Rückzahlungen und dazugehörige Modalitäten verhandeln. Was passiert, wenn eine Einigung nicht zustande kommt? Dann verlängert sich die Vertragslaufzeit um drei Monate. Die Fälligkeit der zuvor vereinbarten Leistungen wird um diese Frist hinausgeschoben. Diese Regelungen gelten aber nur unter Vorbehalt: Diese dürfen für den Darlehensgeber und seine allgemeinen Lebensumstände nicht unzumutbar sein.

Sie sind von der Krise betroffen? Und Sie benötigen das Geld für Ihren Lebensunterhalt? Dann können Sie Ihre Ratenzahlungen für viele unterschiedliche Arten von Verbraucherdarlehen während des genannten Zeitraums pausieren: Neben den klassischen Ratenkrediten zählen dazu auch Baufinanzierungen, da sich auch monatliche Raten von Verbrauchdarlehensverträgen stunden lassen. Das betrifft auch Eigenheimbesitzer, die derzeit ein laufendes Baudarlehen abzuzahlen haben. Aber auch Rechnungen und fällige Zahlungen können Sie im Zeitraum von April bis Juni 2020 aussetzen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Ab dem 1. April können aber auch Mietverträge für sechs Monate nicht aufgekündigt werden. Mieter sind durch das neue Gesetz geschützt und können wegen Zahlungsrückständen, wenn diese durch die Krise verursacht sind, nicht gekündigt werden. Privatvermieter, die aufgrund von Mietausfällen selbst in Not geraten, können überlegen, ob sie ihre Zahlung des Baudarlehens aussetzen können.

Der Gesetzesentwurf wurde vom Bundestag am 25. März verabschiedet und am 27. März vom Bundesrat genehmigt.

Was bedeutet die Krise für Besichtigungs- und Notartermine?

Eine eindeutige Antwort gibt es auf dieser Frage leider nicht. Jedes Bundesland und jeder einzelne Stadtkreis hat für die Einwohner unterschiedliche Vorgaben getroffen. Informieren Sie sich am besten bei Ihrer Landesbehörde. In ganz Deutschland gilt ein Kontaktverbot: Sie können sich als Einzelperson mit einer weiteren Person oder im Kreis der Angehörigen im öffentlichen Raum aufhalten. Ein Mindestabstand von 1,5 Metern gilt es hier zusätzlich einzuhalten. Vereinzelt können Besichtigungen noch stattfinden – allerdings nur unter den genannten Auflagen. Möglich ist auch, den Verkäufer oder den Makler um eine erste virtuelle Besichtigung mithilfe von Skype, WhatsApp oder einer anderen Applikation zu bitten.

Der Gang zum Notar ist derzeit aber noch möglich. Auch in Bundesländern wie Bayern, wo eine Ausgansbeschränkung verhängt wurde, braucht es lediglich einen triftigen Grund, um Wohnung oder Haus zu verlassen.

Baufinanzierung auch in Krisenzeiten möglich

Falls Sie eine Finanzierung planen, sollten Sie die Entwicklung genau beobachten. Falls Sie bereits mit finanziellen Engpässen zu kämpfen haben, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Berater sprechen und gemeinsam eine Lösung suchen.

Sie haben viele Möglichkeiten und Werkzeuge, um mit dieser Krise finanziell fertig zu werden. Banken und Baufinanzierungsexperten stehen Ihnen aber auch in diesen Zeiten zur Seite.

Gratis-Download: Ratgeber – Wie kaufe ich ein haus?

Thema: Förderung, Hauskauf, Darlehen, Kapital, Finanzierung, Immobilie

Blog-Newsletter

Aktuelle Beiträge

Hauskauf-Ratgeber

PDF-DOWNLOAD: Wie kaufe ich ein Haus?